Balkonkraftwerk 800 W, 1000 W, 2000 W: Was erlaubt ist
800 VA am Wechselrichter, 2.000 Wp an Modulen, Schuko bis 960 Wp: was beim Balkonkraftwerk erlaubt ist, wie die Anmeldung läuft und welche Sets passen.


Für wen ist dieser Ratgeber?
„Balkonkraftwerk 2000 W“, „Balkonkraftwerk 1000 W“, „Balkonkraftwerk 800 W komplett Steckdose“: In Angeboten und Suchanfragen werden Wattzahlen munter gemischt. Mal ist die Modulleistung gemeint, mal die Leistung des Wechselrichters. Wer ein Set kaufen will, möchte vor allem wissen: Was darf ich legal betreiben, wie schließe ich es an, und was muss ich anmelden?
Dieser Ratgeber sortiert die Begriffe und erklärt die Regeln mit Verweis auf Gesetzestexte, Bundesnetzagentur und Verbraucherzentrale. Am Ende zeigen wir passende Sets aus unserem Balkonkraftwerk-Vergleich 2026, vom Solakon 1000 W bis zum Solakon 2000 W. Eine Rechtsberatung ersetzt er nicht.
1. Zwei Grenzen: Modulleistung und Wechselrichterleistung
Seit dem Solarpaket I (2024) definiert das EEG Steckersolargeräte als eigene Kategorie. § 8 Abs. 5a EEG nennt zwei Grenzwerte, die für alle Steckersolargeräte hinter einer Entnahmestelle zusammen gelten:
| Grenze | Wert | Was gemeint ist |
|---|---|---|
| Installierte Leistung | bis zu 2 kW | Summe der Modulleistung (Wp) |
| Wechselrichterleistung | bis zu 800 VA | Was ins Hausnetz eingespeist wird |
Die Registrierungshilfe der Bundesnetzagentur nennt dieselben Werte für das Marktstammdatenregister: „2.000 Watt für die Gesamtleistung und 800 Watt für die Wechselrichterleistung“. Die Verbraucherzentrale ergänzt: Die 800 W AC-Leistung dürfen pro Stromzähler nur einmal ausgeschöpft werden. Wer zwei Sets an einem Zähler betreibt, muss beide zusammen unter den Grenzen halten.
Wichtig für die Einordnung: Watt Peak (Wp) beschreibt die Modulleistung unter Normbedingungen. Diese Leistung erreichen die Module nur bei idealer Einstrahlung. Volt-Ampere (VA) beschreibt die Ausgangsleistung des Wechselrichters; für den Alltag können Sie VA und Watt hier gleichsetzen.
2. Was „800 W“, „1000 W“ und „2000 W“ in Angeboten bedeuten
- „800 W“-Sets haben einen 800-W-Wechselrichter und zwei kleinere Module; Solakon nennt etwa für sein onLite 900 Wp.
- „1000 W“-Sets kombinieren in der Regel zwei 500-Wp-Module mit einem 800-W-Wechselrichter. Beispiele aus unserem Vergleich: das Solakon 1000 W und das Solarway-Set mit Hoymiles HiFlow 800.
- „2000 W“-Sets nutzen vier 500-Wp-Module, wieder mit 800 W Einspeisung, etwa das Solakon 2000 W.
Die Zahl im Produktnamen sagt also fast nie, wie viel ins Netz geht. Eingespeist werden in allen drei Fällen höchstens 800 W.
3. Warum mehr Module als Wechselrichter sinnvoll sein können
Module liefern ihre Nennleistung nur selten. Morgens, abends, im Winter und bei Wolken liegt die Leistung weit darunter. Ein Set mit 2.000 Wp erreicht deshalb öfter die 800 W, die der Wechselrichter einspeisen darf. Solakon beschreibt das so: Eine kleinere Anlage erreiche die 800 W „nur kurz um die Mittagszeit“, ein 2000-W-Set auch morgens, abends und bei leichter Bewölkung. Für sein onPower nennt Solakon bis zu 1.799 kWh im Jahr, für das onBasic mit 1.000 Wp etwa 1.115 kWh. Das sind Herstellerangaben unter günstigen Bedingungen.
Die Kehrseite: An sonnigen Mittagen wird alles über 800 W abgeregelt, solange kein Speicher den Überschuss aufnimmt. Mehr dazu in unserem Ratgeber Balkonkraftwerk mit Speicher.
Auch der Wechselrichter muss zur Modulzahl passen. Der Hoymiles HiFlow 800 hat laut Hersteller einen MPPT-Eingang für zwei Module in Reihe, beide sollten in dieselbe Richtung zeigen. Der Wechselrichter in den Solakon-Sets hat laut solakon.de zwei Eingänge; beim 2000-W-Set werden je zwei Module über Y-Verteiler zusammengeführt.
4. Der Stecker: Schuko bis 960 Wp, darüber Wieland
Hier hat sich zuletzt am meisten getan. Seit dem 1. Dezember 2025 gilt laut Verbraucherzentrale die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 für Steckersolar-Geräte ohne Speicher. Sie erlaubt den haushaltsüblichen Schukostecker – mit technischen Anpassungen oder einer entsprechenden Sicherung im Wechselrichter – für Geräte mit maximal 960 W Modulleistung. Für größere Geräte schreibt die Verbraucherzentrale: „Größere Geräte müssen über eine Einspeisesteckdose mit dem Wielandstecker angeschlossen werden.“ Diese Dose installiert eine Elektrofachkraft. Der ADAC beschreibt die Norm genauso: Bis 960 Wp mit Schuko, bis 2.000 Wp über den Wieland-Anschluss.
Warum die Grenze? Laut pv magazine messen die üblichen Leitungsschutzschalter nur den Strom, der aus dem Sicherungskasten kommt. Speist ein Gerät zusätzlich in den Stromkreis ein, kann die Leitung stärker belastet werden. Die Grenze dient also dem Brandschutz.
Was das für die Wattklassen bedeutet:
| Set | Modulleistung | Anschluss nach DIN VDE V 0126-95 |
|---|---|---|
| „800 W“ mit z. B. 2 × 450 Wp | 900 Wp | Schuko möglich |
| „1000 W“ mit 2 × 500 Wp | 1.000 Wp | über 960 Wp: Wieland-Einspeisedose |
| „2000 W“ mit 4 × 500 Wp | 2.000 Wp | Wieland-Einspeisedose |
Viele Angebote mit 1.000 oder 2.000 Wp werden weiterhin als „komplett Steckdose“ mit Schukokabel verkauft. Planen Sie bei diesen Sets die Kosten für eine Wieland-Einspeisedose ein, wenn Sie normkonform anschließen wollen. Unabhängig davon gilt laut Verbraucherzentrale: ein Gerät pro Steckdose, keine Mehrfachsteckdose.
5. Anmeldung: nur noch das Marktstammdatenregister
Die Anmeldung ist deutlich einfacher geworden. § 8 Abs. 5a EEG stellt klar, dass die Registrierungspflicht im Marktstammdatenregister bleibt, zusätzliche Meldungen an den Netzbetreiber aber nicht verlangt werden dürfen. Die Verbraucherzentrale formuliert es so: „Die früher notwendige Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt komplett.“
So läuft es laut Registrierungshilfe der Bundesnetzagentur:
- Benutzerkonto auf marktstammdatenregister.de anlegen und per E-Mail bestätigen.
- Sich als Anlagenbetreiber registrieren und das Balkonkraftwerk eintragen.
- Angaben bereithalten: Standort, Datum der Inbetriebnahme (der Tag, an dem Sie den Stecker erstmals eingesteckt haben), Gesamtleistung der Module, Wechselrichterleistung und Zählernummer.
Die Frist beträgt laut Marktstammdatenregisterverordnung einen Monat nach Inbetriebnahme.
Ausnahme Speicher: Für Batteriespeicher gelten laut Verbraucherzentrale die üblichen Pflichten. Neben dem Register ist eine Meldung beim Netzbetreiber weiterhin nötig.
6. Der Zähler
Ein alter Ferraris-Zähler mit Drehscheibe kann rückwärts laufen, wenn das Balkonkraftwerk mehr erzeugt, als Sie verbrauchen. Laut Verbraucherzentrale wird das „bis zum Tausch geduldet“. Sie müssen also nicht auf einen neuen Zähler warten, bevor Sie das Gerät in Betrieb nehmen. Der Netzbetreiber tauscht den Zähler gegen ein elektronisches Gerät.
7. Geräte mit mehr als 800 W Ausgang
Einige Speichersysteme in unserem Vergleich haben deutlich stärkere Ausgänge. Laut Amazon-Beschreibungen liefert der EcoFlow STREAM Ultra X über zwei AC-Anschlüsse 1.200 bis 2.300 W, der Zendure SolarFlow 2400 Pro 2.400 W und der Jackery SolarVault 3 Pro Max 2.500 W AC-Kopplung. Beim Hoymiles HiBattery 4020 X unterscheidet der Hersteller zwischen der Variante X mit 800 W und der Variante XM mit 2.500 W Ausgangsleistung.
Für den Betrieb als Steckersolargerät bleibt die Grenze von 800 VA Wechselrichterleistung bestehen. Klären Sie vor dem Kauf, wie das Gerät auf 800 W begrenzt wird und ob der Hersteller das ab Werk so einstellt. Die höheren Werte betreffen häufig Notstromausgänge oder Bypass-Funktionen.
8. Mehr als 2.000 Wp oder mehr als 800 VA?
Wer die Grenzen überschreitet, betreibt kein Steckersolargerät im Sinne des EEG mehr, sondern eine reguläre Photovoltaikanlage. Solakon schreibt dazu auf seiner Produktseite, eine solche Anlage müsse beim Netzbetreiber angemeldet und von einer Elektrofachkraft installiert werden. Für viele Mieterinnen und Mieter ist das keine Option.
9. Mehrwertsteuer: 0 % auf Module und Wechselrichter
Nach § 12 Abs. 3 UStG gilt für die Lieferung von Solarmodulen, den für den Betrieb wesentlichen Komponenten und Speichern an den Betreiber ein Steuersatz von 0 %, wenn die Anlage auf oder in der Nähe einer Wohnung installiert wird. Bei einer Bruttoleistung von höchstens 30 kWp laut Marktstammdatenregister gelten die Voraussetzungen als erfüllt. Balkonkraftwerke liegen weit darunter. Deshalb weisen viele Angebote „0 % MwSt.“ aus.
Passende Modelle aus unserem Vergleich

Zwei 500-Wp-Module und ein 800-W-Wechselrichter mit zwei Eingängen: das günstigste „1000-W“-Set im Vergleich. Halterung und Wieland-Dose separat einplanen.

Zwei bifaziale 500-Wp-Module mit Hoymiles-Wechselrichter (800 VA, 12 Jahre Garantie) und 5-m-Kabel: für gleich ausgerichtete Module am Balkon oder auf dem Flachdach.

Vier 500-Wp-Module schöpfen die 2.000-Wp-Grenze voll aus und erreichen die 800 W länger am Tag: für Garten, Flachdach oder lange Geländer.
Kurz zusammengefasst
- Höchstens 2.000 Wp Module und 800 VA Wechselrichter, für alle Geräte an einem Zähler zusammen.
- Schuko nur bis 960 Wp Modulleistung, darüber Wieland-Einspeisedose von der Elektrofachkraft.
- Anmeldung nur im Marktstammdatenregister, innerhalb eines Monats; Speicher zusätzlich beim Netzbetreiber.
- Alte Zähler werden bis zum Tausch geduldet.
- 0 % Mehrwertsteuer auf Module, Wechselrichter und Speicher.
Fazit
Die Wattzahl im Produktnamen beschreibt fast immer die Module, nicht die Einspeisung. Erlaubt sind bis zu 2.000 Wp und 800 VA. Wer viel Platz hat, holt mit 2.000 Wp die meisten Stunden mit voller Leistung heraus, zum Beispiel mit dem Solakon 2000 W. Wer klein anfangen will, greift zum Solakon 1000 W oder zum Solarway-Set mit Hoymiles HiFlow 800. In allen drei Fällen gilt: Oberhalb von 960 Wp sieht die neue Norm eine Wieland-Einspeisedose vor.
Quellen
- § 8 EEG (Steckersolargeräte, Abs. 5a), gesetze-im-internet.de
- § 3 EEG (Begriff Steckersolargerät, Nr. 43), gesetze-im-internet.de
- § 5 MaStRV (Registrierungsfrist), gesetze-im-internet.de
- § 12 UStG, gesetze-im-internet.de
- Bundesnetzagentur: Registrierungshilfe für Balkonkraftwerke (PDF)
- Verbraucherzentrale: Steckersolar – Solarstrom vom Balkon
- Verbraucherzentrale NRW: Gesetze und Normen für Steckersolar
- ADAC: DIN VDE V 0126-95 – neue Regelung für Balkonkraftwerke und Schuko-Stecker
- pv magazine: Gerichte untersagen Vertrieb bestimmter Steckersolarspeicher als Plug-and-Play-Lösung
- Offizielle Produktseite Solakon onPower 2000 Watt
- Offizielle Produktseite Solakon onBasic 1000 Watt
- Hoymiles Shop: HiFlow 800 Plug-in-Mikrowechselrichter
- Offizielle Produktseite Hoymiles HiBattery 4020 X
Häufige Fragen
Ist ein Balkonkraftwerk mit 2000 Watt erlaubt?
Ja, wenn damit 2.000 Wp Modulleistung gemeint sind und der Wechselrichter höchstens 800 VA einspeist. Das sind die Grenzen für Steckersolargeräte nach § 8 Abs. 5a EEG.
Was bedeutet „1000 W“ bei einem Balkonkraftwerk?
Fast immer die Modulleistung, also zum Beispiel 2 × 500 Wp. Eingespeist werden trotzdem höchstens 800 W, weil der Wechselrichter darauf begrenzt ist.
Darf ich ein 2000-W-Balkonkraftwerk mit Schukostecker anschließen?
Laut Verbraucherzentrale erlaubt die Norm DIN VDE V 0126-95 den Schukostecker nur bis 960 W Modulleistung. Darüber ist eine Einspeisesteckdose mit Wielandstecker vorgesehen, die eine Elektrofachkraft installiert.
Wo melde ich das Balkonkraftwerk an?
Nur im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Eine zusätzliche Meldung beim Netzbetreiber darf für Steckersolargeräte nicht verlangt werden; für Speicher gilt das nicht.
Darf ich zwei Balkonkraftwerke betreiben?
Die Grenzen gelten für alle Steckersolargeräte hinter einer Entnahmestelle zusammen. Laut Verbraucherzentrale dürfen die 800 W AC-Leistung pro Stromzähler nur einmal ausgeschöpft werden.
Was passiert, wenn mein alter Zähler rückwärts läuft?
Laut Verbraucherzentrale wird ein rückwärts laufender Zähler bis zum Tausch geduldet. Der Netzbetreiber ersetzt ihn durch ein elektronisches Gerät.